Renovierung antike dunkle Eichenmöbel

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  1. #1 PeB, 20.01.2021
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 20.01.2021
    PeB

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    Hallo,

    habe einen alten Tisch aus dunkel gefärbter Eiche (19tes Jahrhundert). Die Farbe ist teilweise stark abgenutzt. Ich möchte diese möglichst originalgetreu restaurieren. Ich weiß aber nicht, was das genau ist. Eine Lauge? Oder Lasur? Womit renoviere ich die Farbe am besten? Hat jemand hier Ahnung?

    IMG_20210120_140018.jpg IMG_20210120_140030.jpg

    Vielen dank im Voraus
     
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  3. #2 Spaxoderwas, 21.01.2021
    Spaxoderwas

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    Hallo,
    wenn Du dazu hier keine Antwort bekommst, würde ich auf jeden Fall einen Fachmann befragen. Es wäre schade, aus Unkenntnis das Möbelstück zu versauen mit untauglichen Mitteln
     
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  4. #3 Holzwurm50189, 21.01.2021
    Holzwurm50189

    Holzwurm50189 Erfahrener Benutzer

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    Eijeijei, da haste dir aber was vorgenommen.
    Alles abbeizen, neu beizen oder natur lassen, Oberflächenbehandlung ... sieh die die Arbeitsschritte im Net mal an ...
     
  5. PeB

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    Nach ein paar Experimenten habe ich den Eindruck, dass der Tisch wohl nicht lackiert ist, sondern mit Beize oder Lauge gedunkelt wurde und dann wohl mit Wachs die Oberfläche versiegelt wurde. Genauso sehen auch alte spanische Möbel aus, die man häufig ja noch in dortigen (Ferien-) Häusern antrifft. Das muss also eine ganz typische Verfahrensweise sein, komisch, dass sich anscheinend keiner näher damit auskennt.
     
  6. pinne

    pinne Erfahrener Benutzer

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  7. PeB

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    Hi, danke, aber das ist nicht wirklich hilfreich. Die Frage ist ja nicht, was es allgemein für Methoden gibt, sondern welche ist hier konkret angewendet worden. Es ist mit großer Wahrscheinlichkeit die für die damalige Zeit und solcher Art Möbel typische Methode gewesen. Nur welche war das?
     
  8. Maggy

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    Ich glaube Restaurater, der das wissen könnte, haben wir keinen in der Gruppe. Nur Rater. Du erkennst es nicht obwohl du es vor dir hast, und andere sollen es am Bild erkennen?
     
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  9. pinne

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    das lernt jeder schreiner /tischler - wie es als neues bearbeitet wurde .
     
  10. Neige

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    Moderator

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    Ähm nicht wirklich, denn die Restauration von Möbel und Holzobjekte ist ein sehr komplexes Thema, was ein eigenständiger Hochschulstudiengang erfordert.
    Die Ausbildung umfasst u. A.
    Kunst und Kulturgeschichte, Technische Fächer, Naturwissenschaftliche Fächer, Werkstoffkunde, Chemie und einiges mehr.
    Gerade bei sehr alten Möbel muss man wissen was man tut, gerade auch bei der Oberflächenbehandlung. Man sollte nach genauer Analyse wissen, was wie verwendet worden ist. Alles in allem kein einfaches Unterfangen, wozu viel Fachwissen notwendig ist und vor allem Techniken zu beherschen die seiner Zeit angewendet wurden. Die damaligen Handwerker waren m.E. wahre Künstler ihres Fachs.
    Mal kurz ggf. abschleifen und neu versiegeln bekäme ich hin, wäre aber des Objekt sicher nicht würdig. Damals wurde überwiegend mit Schellack gearbeitet, selbst hergestellten Beizen, was schon allein viel Arbeit und nicht ganz einfach ist.

    Da sind um ehrlich zu sein bei mir als Schreiner die Grenzen gesetzt und würde es mir selbst nicht zutrauen.
     
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  11. PeB

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    Pinne, du hast völlig recht. Ein kluger Mann weiß, was er kann und was nicht. (Frau natürlich auch.) Und ein falscher Rat ist schlechter als kein Rat.
     
  12. #11 prikkelpitt, 03.02.2021
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 03.02.2021
    prikkelpitt

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    @PeB Bei mir in der Nähe ist eine Akademie des Handwerks. Die haben einen Studiengang "Gepr. Restaurator im Handwerk". Ich vermute mal, die machen genau soetwas. Vielleicht kannst Du ja da irgendwie mit jemandem in Kontakt treten, der Dir da Tipps geben kann. Facebook oder so evtl.
    Edit by Neige: Link gelöscht
     
  13. pinne

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    Restaurieren [ Teile ersetzen ] ist bei dem Tisch nicht erforderlich ! Nur " auffrischen" !!
     
  14. #13 prikkelpitt, 03.02.2021
    prikkelpitt

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    @pinne Ich hab ja auch nicht geschrieben, dass der Tisch restauriert werden muss. Aber ein (angehender) Restaurator wird sich höchstwahrscheinlich auch damit auskennen, wie man so etwas fachmännisch auffrischt.

    mfG
     
  15. PeB

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    Also zunächst mal herzlichen Dank für die Hinweise hier

    Ich habe es jetzt auch hinbekommen, die Oberfläche der Schreibtischplatte originalgetreu zu restaurieren. Um ehrlich zu sein: Ich bin bin von dem Ergebnis ziemlich begeistert

    Da ich im WWW dazu aber nichts wirklich Konkretes und Spezifisches gefunden habe, wie man die Oberfläche derartiger dunkler Eichenmöbel richtig renoviert, hier meine Erkenntnisse dazu, vielleicht kann sie ja jemand gebrauchen. Immerhin sind diese Art Möbel für die betuchten Bürgerhäuser im 19ten Jahrhundert nicht untypisch (Auch die Möbel in den Ferienhäuser in Spanien aus den 1970er Jahren – welche die rustikalen Möbel in spanischen Häusern nachahmten - weisen ganz ähnliche Oberflächen auf.)

    Ich habe dazu einige Experimente machen müssen, bis ich es raus hatte. Man muss wirklich umdenken, denn die Methoden von damals sind schon etwas anderes, als wie man es heute zumeist macht, wo man regelmäßig Kunstharzlacke verwendet.

    Die Kurzfassung: Die Möbel sind dunkel gebeizt und dann gewachst.


    Die Langfassung:

    1. Vorbereitung

    Habe die alte Beize zunächst mit 240er und Schwingschleifer abgeschliffen (immer in Richtung der Maserung, sonst gibt es hinterher unschöne Querriefen; den Grund der eingefärbten Maserung habe ich stehen lassen).
    Danach den Staub entfernen. In der Tiefen der Maserung sitzt ggf. eine Menge alter Dreck.
    Tischplatte mit Schwammtuch leicht befeuchtet. (Wie sich zeigte, war das zumindest wegen aufstehender Holz-Härchen nicht wirklich nötig, da das alte feste Holz trotz Wässerung auch danach glatt blieb, aber es war gut zum Zwecke der Reinigung).

    Über Nacht trocknen lassen, dann noch mal mit 240er und mit der Hand leicht nachgeschliffen.

    2. Das Beizen

    Habe Contura Wasserbeize Antik (Kolonialstil Dunkelbraun) verwendet. Passt farblich sehr gut.

    Wichtige Hinweis: Bevor ich den Tisch wirklich gebeizt habe, habe ich sowohl die Beize also auch die weitere Oberflächenbearbeitung ausgiebig an Restholz und dann auch an einer kleinen Stelle des Möbels selbst ausprobiert. Wie es am Ende aussieht, weiß man wirklich erst, wenn man es auf dem Originalholz ausprobiert, und dass auch erst, nachdem auch die Wachsschicht aufgebracht wurde!

    Habe die Beize mit einem Beizpinsel (Anschaffung lohnt sich) in einem Arbeitsgang ziemlich kräftig aufgetragen und regelrecht einmassiert. Immer wieder egalisiert, und so die unterschiedliche Saugstärke des Holzes ausgeglichen und auch verhindert, dass sich Pfützen bilden. Am Schluss prüfen, ob sich Schmutz aus den Holzporen oder Pinsel-Härchen abgesetzt hat und beseitigen. (Vorsicht auch wegen der Spritzer auf dem Boden oder anderem; solche Spritzer lassen sich, wenn sie nicht sofort entfernt werden, später ggf. nicht mehr so ohne Weiteres, ohne zumindest Ränder zu hinterlassen, entfernen. Auch färbt die Beize die Haut nachhaltig, so dass man unbedingt Handschuhe tragen muss.)

    Über Nacht austrocknen lassen.

    3. Das Wachsen.

    Habe mir extra klare Wachslasur besorgt. Aber nicht verwendet. Sondern mit Poliboy Möbelwachs eingewachst. Testergebnisse waren einfach besser. Erstens ist Poliboy flüssiger und lässt sich so besser großflächig auftragen. Damit besteht auch weniger die Gefahr, dass eine zu dicke Schicht Wachs auf der Oberfläche stehen bleibt und sich sogar sichtbare Rillen im Wachs bilden. Zweitens ist entscheidend für die Wahl, dass der Wachsauftrag nicht die Beize wieder auflösen darf. Auch das machte Poliboy recht anständig, während die gekaufte Lasur die Beize doch zu stark wieder angriff. Wenn ich es noch mal mache würde, werde ich es allerdings mit einer Mischung aus (Bienen-) Wachs und Terpentinöl versuchen. Ich vermute nach allen Recherchen nicht nur, dass dies die ursprüngliche Verfahrensweise war. Ich gehe auch davon aus, dass Terpentinöl - als Lösungsmittel - die wasserbasierte Beize eben nicht anlöst.

    Das Wachs habe ich mit einem breiten Pinsel aufgetragen. Und dann sofort damit begonnen, die Oberfläche zunächst mit alten Baumwolllappen und dann auch mit einer großen Borstenbürste zu polieren. Hiermit ist man durchaus länger beschäftigt. Es ist ungefähr so, als ob man Reitstiefel putzt, nur halt für ein ganzes Kosaken-Regiment. Wenn man das nicht macht oder zu lange wartet, bildet sich eine unschöne Wachsschicht auf der Oberfläche, ggf. auch mit Riefen. (Den Pinsel kann man mit heißem Wasser und Spüli reinigen, wenn man es sofort macht)
    Eine Nacht gewartet und wieder poliert. Bis das Poliboy-Wachs endgültig hart ist, wird es wohl noch ein paar Tage brauchen. Das überrascht nicht, weil das Öl darin ja aushärten muss.

    Die nachfolgenden Links haben mir geholfen, zu verstehen, was hier zu tun ist:







     
  16. pinne

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    und wieder : ich hab restauriert ! NICHT : ich hab die Tischplatte vorgearbeitet und neu beschichtet !
     
  17. Neige

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    Darf man das Ergebnis auch mal sehen?
     
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  18. Maggy

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    Bilder sagen mehr als Worte.
     
  19. PeB

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    Habe in der Zwischenzeit noch mal herumexperimentiert, weil die Ergebnisse doch unbefriedigend waren. Während das Beizen gut funktioniert hat, hat sich das Wachsen im Ergebnis als sehr problematisch erwiesen. Es zeigen sich zwei Probleme: Der Wachsauftrag löst die dunkle Beize wieder zu stark an und/oder die Wachsoberfläche ist nicht widerstandsfähig genug, um als Tischoberfläche eingesetzt werden zu können. Die Polyboy Möbelpolitur sieht zwar toll aus, wird aber nicht mal im Ansatz hart. Clou Wachslasur und Clou Flüssiges Bienenwachs lösen die dunkle Beize zu stark auf. Ich habe dann gemäß der Anleitung in dem Video eine Mischung aus Bienenwachs und Balsam-Petroleum erstellt (100 gr. Balsam-Petroleum und 45 gr. Bienenwachs im Wasserbad angerührt). Das funktioniert auch mit der Beize, für nicht beanspruchte Flächen ist die Oberfläche so auch ok, aber doch zu weich für eine Tischoberfläche. Dann habe ich mit der gleichen Methode eine Mischung aus Carnauba-Wachs und Balsam-Petroleum erstellt und damit eine zweite Wachsschicht aufgetragen. Die Oberfläche ist schon wesentlich härter und geht irgendwie. Aber trotzdem: So richtig praktisch ist das nicht. Man versteht, warum früher eine Schreibunterlage obligatorisch war, denn man kann sonst seinen Text auf der Schreibtischplatte nachlesen. Und ein größerer Wassertropfen kann die Oberfläche schon ruinieren. Also, wenn ich das noch mal machen sollte, werde ich wohl auf die Originaltreue verzichten und die Beize mit einem (dünnen) Klarlack behandeln.
     
  20. #19 PeB, 16.04.2021
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 16.04.2021
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